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Sofia Goggia: „Verpflichtender Airbag im Skisport? Ein großer Schritt nach vorn“

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Demonerosso

23 Januar 2026

6 min

Vom kleinen Mädchen, das von der Weltmeisterschaft träumte, zur reifen und umsichtigen Sportlerin von heute. Das komplette Interview mit der italienischen Erfolgsathletin zum Thema körperliche und mentale Vorbereitung, Sicherheit und zur Bedeutung des Dainese D-air® Ski 2 Evo-Airbags

Sofia Goggia, geboren 1992 in Bergamo, zählt heute zu den führenden Persönlichkeiten des alpinen Skisports – sowohl in Italien als auch international. Als vierfache Abfahrtsweltcupsiegerin, Olympiasiegerin in der Abfahrt bei den Spielen in Pyeongchang 2018 und Dauerbrenner in den Speed-Disziplinen hat Sofia ihre Karriere auf einem Weg aufgebaut, der aus täglicher Arbeit und der ungewöhnlichen Fähigkeit besteht, sich von den schwierigsten Momenten zu erholen.

Goggia, die seit ihrer Kindheit auf Skiern steht, hatte schon immer eine sehr klare Vorstellung davon, was sie werden wollte. Ein kompromissloses Ziel, bei dem jede Entscheidung zu einem Teil der eigenen sportlichen und menschlichen Entwicklung wurde. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich neben den Ergebnissen auch eine ausgereifte Vision des Skisports heraus: Sofia ist sich der Bedeutung von mentalem und emotionalem Management, der Arbeitsgruppe sowie der Risiken einer unter extremen Bedingungen ausgeübten Sportart bewusst.

In diesem Interview erzählt Goggia von ihrer Beziehung zum Skifahren, von den Anfängen über die körperliche und mentale Vorbereitung vor einem Rennen bis hin zu den Themen Sicherheit und Schutz – schließlich testet sie bereits seit 2018 den Dainese D-air® Ski-Airbag höchstpersönlich. Daraus entsteht das Porträt einer zielstrebigen Topathletin, die nicht nur nach Sieg, sondern auch nach Verbesserung strebt und jeden Bewerb mit dem Ziel angeht, sich voll und ganz zu entfalten.

 

Sofia, in welchem Alter hast du mit dem Skifahren begonnen und wann war dir klar, dass Skifahren dein Leben sein würde?

„Ich habe im Alter von 4 Jahren in Foppolo in der Provinz Bergamo mit dem Skifahren begonnen, und schon als Kind habe ich auf die Frage, was ich später einmal werden wollte, geantwortet: »Skichampion«.“

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Gab es einen bestimmten Moment, in dem du erkannt hast, dass du wirklich auf höchstem Niveau mithalten kannst?

„Daran habe ich schon immer geglaubt, schon als Kind war ich sehr stark, kurz darauf kam ich in die Nationalmannschaft, und von da an war es immer mein Ziel, beim Weltcup anzutreten. Es war also eine natürliche Entwicklung, ein Heranreifen, könnte man sagen, es gab keinen bestimmten Moment.“

 

Was war das größte Opfer, das du bringen musstest, um dorthin zu gelangen, wo du heute bist?

„Ich bin ehrlich, ich spreche nicht gerne über Verzicht, sondern lieber über die Entscheidungen, die ich auf der Grundlage dessen getroffen habe, was ich in diesem Moment in mir hatte. Ich habe ehrlich gesagt das Gefühl, dass ich auf nichts in meinem Leben verzichtet habe.“

 

Sprechen wir nun ein wenig über die Vorbereitung von Sofia Goggia – sowohl die körperliche als auch mentale –, ein Aspekt, der heute in jeder Sportart, aber besonders in einer technisch anspruchsvollen wie dem alpinen Skifahren, wichtiger denn je ist. Wie bereitest du dich vor einem Wettbewerb vor, um ihn in bestmöglicher Verfassung zu bestreiten?

„Mental und emotional versuche ich, mich an die richtigen Emotionen zu klammern, ich bleibe konzentriert auf das, was ich im Rennen aus sportlicher Sicht zu tun habe, aber auch auf die Linien und Strategien, die schon bei der Streckenbesichtigung besprochen werden. Körperlich versuche ich jedoch einfach, ein gutes Warm-up zu machen, bevor ich mich im Starthaus aufstelle.“

 

Wie stark fällt deiner Meinung nach die tägliche Arbeit im Vergleich zu angeborenem Talent ins Gewicht?

„Man kann viel Talent haben, aber ohne ständige harte Arbeit kann man bestenfalls ein Meteor sein. Wer sich hingegen täglich einsetzt und auch etwas Talent hat, schafft die Voraussetzungen für dauerhafte Erfolge und eine langlebige Sportlerkarriere, immer auf hohem Niveau.“

Inwieweit zählt die Erfahrung im Vergleich zur körperlichen Fitness, insbesondere in schwierigen Situationen?

„Ich glaube, dass Erfahrung das ist, was es einem ermöglicht, jede Phase des Rennens bestmöglich zu bewältigen, sie ist von grundlegender Bedeutung und hilft manchmal, wenn man mehr Klarheit braucht. Natürlich zählt auch die körperliche Fitness, aber meiner Meinung nach zählt das Mindset mehr.“

 

Wie gehst du mit den Tagen um, an denen die Gefühle nicht richtig sind?

„Ich versuche, mich so zu akzeptieren, wie ich bin, meine Antennen noch höher auszufahren und ich versuche zu geben, was ich habe, ohne zu übertreiben, nichts mehr.“

 

Was motiviert dich heute am meisten: der Sieg oder der Weg der Verbesserung – auch über die Rennen, die nicht so ausgehen, wie du es dir wünschst?

„Beide Dinge sind gleich wichtig. Rennen, bei denen ich mein Potenzial nicht wirklich einsetzen kann, hinterlassen immer etwas bei mir, sogar Schmerz, aber genau dort setze ich neu an, um mein Bestes zu geben. Letztendlich denke ich, dass man aus Niederlagen mehr lernt als aus Siegen.“

 

Ein Aspekt, der bei einer Individualsportart wie dem Skifahren von Außenstehenden oft unterschätzt wird, ist die Teamarbeit, denn um den Athleten herum ist immer ein Team. Wie wichtig ist das für dich?

„Für mich ist es sehr wichtig, dass alle Leute, die mit dir zusammenarbeiten, in dieselbe Richtung schauen wie du. Man braucht auch eine Arbeitsgruppe, mit der man sich abseits der Rennstrecke austauschen kann, um ein möglichst gutes Umfeld zu schaffen.“

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Wenn du mit sehr hoher Geschwindigkeit Ski fährst: Wie viel Raum bleibt für den Instinkt und wie viel für die bewusste Kontrolle?

„Im Rennen denkt man wenig nach, die Strecke und die Strategie müssen vorher, bei der Besichtigung, geplant werden. Instinkt ist das, was man braucht, um schnell zu sein.“

 

Nun noch ein paar Fragen zur Sicherheit, die für uns bei Dainese zentral ist. Was hältst du von dem Niveau, das die Protektoren für den alpinen Skisport heute erreicht haben?  

„Zuallererst möchte ich sagen, dass der verpflichtende Ski-Airbag – hier war ich bei den Damen eine der ersten Testerinnen, nämlich schon ab 2018 – ein großer Schritt nach vorne war. Ich glaube, dass Dainese, auch dank der Erfahrung im Motorradsport, den anderen um Lichtjahre voraus ist. Mit meiner Kleidung und meinen Protektoren fühle ich mich sicher.

Dieses Jahr ist auch der schnittfeste Anzug verpflichtend geworden, auch dies ist eine tolle Verbesserung, Skier sind so scharf wie Messer, es ist wichtig, sich auch gegen diese zu schützen. Zur weiteren Verbesserung könnte man den unbedeckten Teil, also den Hals, abdecken.“

 

Gibt es einen Sicherheitsaspekt im alpinen Skisport, der deiner Meinung nach immer noch nicht genug beachtet wird, weder von den Athleten noch von den Veranstaltern?

„Ich möchte eher die Organisatoren ansprechen, die zwar alles tun, um unsere Geschwindigkeiten zu reduzieren, aber gleichzeitig Strecken mit mehr Kurven entwerfen, wo manchmal Winkel entstehen, die dazu führen, dass wir Belastungen und Kräften ausgesetzt sind, die physisch noch schwieriger zu bewältigen sind. Manchmal fahren wir unter Bedingungen, die nicht ganz ungefährlich sind, vor allem wenn es viel schneit und nur die Hauptspur präpariert wird.“

 

Wenn du mit der Sofia Goggia von vor ein paar Jahren sprechen könntest, welchen Rat würdest du ihr geben?

„Ich würde ihr sagen, mehr an sich selbst zu glauben.“