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Fabio Di Giannantonio: „Ohne D-air®-Airbag? Nicht einmal auf dem Pocket Bike“

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13 Oktober 2025

8 min

Exklusives Interview mit Fabio Di Giannantonio, MotoGP™-Fahrer des Pertamina Enduro VR46 Racing Teams, während des Dainese Project Apex in Mugello. Von Kindheitsträumen über die mentale Vorbereitung bis hin zur Zusammenarbeit mit Dainese bei der Entwicklung von Funktionskleidung, IN-Rennstiefeln und Schutzausrüstung mit D-air®-Airbag.

Das Dainese Project Apex 2025 war ein außergewöhnlicher Tag. Der Mugello Circuit gilt als eine der anspruchsvollsten und spektakulärsten Rennstrecken der Welt: Die Protagonisten aus MotoGP™, Superbike, Moto2 und Moto3 arbeiteten Seite an Seite mit den Technikern der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Dainese, um Prototypversionen der Schutzausrüstung und Rennbekleidung der kommenden Jahre zu testen und so zu ihrer Entwicklung beizutragen.  

Wir hatten die Gelegenheit mit einem der Fahrer, Fabio Di Giannantonio, zu sprechen. Der 1998 geborenen Römer fährt für das Pertamina Enduro VR46 Racing Team auf einer Ducati Desmosedici. Er ist freundlich und hat stets ein Lächeln im Gesicht. Es macht Spaß, sich mit ihm zu unterhalten, und es ist interessant, mehr über seine Vision und seine Einstellung zur Welt der Motorräder und des Rennsports zu erfahren. 

  

Auf die erste Frage antwortet er ohne zu zögern und mit voller Überzeugung: Fabio, was war dein Kindheitstraum? 

„Motorradrennen fahren und Weltmeister werden.“ 

 

In welchem ​​Alter und wie bist du zum Motorradfahren gekommen? Woran erinnerst du dich aus dieser Zeit? 

„Meine allerersten Erinnerungen sind kleine Momente aus meiner Kindheit, als ich drei oder vier Jahre alt war. Damals sah ich mir mit meinem Vater die Rennen der 500er-Klasse im Fernsehen an, und er kommentierte leidenschaftlich alles, was passierte, um meine Begeisterung zu wecken – was ihm gelang. Ich setzte dann meinen Helm auf, stieg auf mein Spielzeugmotorrad und ahmte die Fahrer im Rennen nach. Ich fuhr Kurven, gewann, stürzte und jubelte. Etwas später, als ich fünfeinhalb Jahre alt war, ließ mich mein Vater zum ersten Mal ein echtes Pocket Bike ausprobieren und da wurde mir klar, dass es wahre Liebe ist.“ 

 

Welche Person hat dich am meisten beeinflusst? 

„Auf jeden Fall mein Papa.“ 

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Welchen Beruf hättest du deiner Meinung nach ergriffen, wenn du nicht Pilot geworden wärst? 

„Ich glaube, ich hätte mich in jedem Fall dem Sport gewidmet. Ich bin gerne Sportler, ich achte auf meinen Körper und versuche, immer die beste Version meiner selbst zu sein, vor allem auf sportlicher Ebene. Ich glaube, es wäre auf jeden Fall ein Einzelsport geworden, dafür bin ich viel besser geeignet, vor allem mental.“ 

 

Was bedeutet deine Startnummer? 

„Ich bin immer mit der 21 gefahren, weil ich Troy Bayliss bewundere und davon träumte, die neue Nummer 21 auf einem roten Motorrad zu sein! In der MotoGP™ musste ich meine Nummer ändern und habe mich für die 49 entschieden, weil es eine der wenigen Nummern war, die in dieser Klasse noch nie verwendet wurde. Ich wollte der Erste mit dieser Nummer sein und möchte sie ganz an die Spitze bringen.“ 

 

Fabio, lass uns ein wenig über deine Einstellung zum Rennsport und zur Welt des Rennsports im Allgemeinen sprechen. Die erste Frage: Wie bereitest du dich mental auf Rennen vor? 

„Ich bin kein abergläubischer Mensch, aber ich mag meine Routine. Aberglaube schwächt uns Sportler meiner Meinung nach. Allerdings mag ich es, meine Ordnung zu haben. Bevor ich mich umziehe, spreche ich ein letztes Mal mit allen Teammitgliedern. Ich wärme mich immer mit denselben Übungen auf, zum einen, weil sie mir körperlich helfen – aber vor allem dienen sie meiner Konzentration. Ich verbringe immer drei Minuten allein an der Boxenmauer und unternehme dann mit meinem besten Freund Fabio einen Grid Walk. Zu diesem Zeitpunkt habe ich dem Team bereits alles gesagt, was ich zu sagen habe, abgesehen vielleicht von der Reifenwahl.“ 

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Was ist die wichtigste Lektion, die du bisher in deiner Karriere gelernt hast? 

„Das Wichtigste ist, dass man niemals aufgeben darf. Das muss ein Lebensmantra sein. Egal, wie die Dinge laufen, man muss immer weiterarbeiten. In diesem Sport, aber auch in jedem anderen Bereich, in dem ein ähnliches Leistungsniveau gefordert ist, zählt vor allem Disziplin. Ich habe gelernt, dass dies die einzige wirkliche Stütze ist, wenn man unter Stress steht. Man darf sich niemals von seinen Emotionen überwältigen lassen.“ 

 

Welchen Rat würdest du jungen Menschen geben, die Rennpilot werden möchten? 

„Träume sind sehr wichtig und schön, aber um Träume zu verwirklichen, muss man auf sie hinarbeiten. Das erfordert Geduld und harte Arbeit.  

Dazu möchte ich noch hinzufügen: Bei meinen Aufstiegen in höhere Klassen hielt ich die erfahreneren Fahrer oft für unerreichbar. Aber stattdessen sollte man sich toll fühlen, denn man hat das gleiche Niveau erreicht. Es sollte normal sein, neben dem amtierenden Weltmeister der jeweiligen Kategorie zu fahren. Man muss seine Emotionen wie gesagt etwas beiseite schieben, um Höchstleistungen zu erzielen. Das ist ein Ratschlag, den ich auch meinem früheren Ich geben würde. Ich glaube, dass es einem hilft, schneller zu wachsen.“ 

Ist alles so schön und unterhaltsam, wie du es dir als Kind vorgestellt hast? 

„Nein. Was wir tun, ist wunderschön, das Schönste auf der Welt. Aber es gibt viele Facetten, die lästig oder unangenehm sein können, mehr als man von außen wahrnimmt. Von außen betrachtet scheint alles einfach: Man fährt Motorrad, verdient gutes Geld und hat Spaß. Aber ganz so einfach ist es nicht, man trägt Verantwortung in vielen Bereichen, also macht nicht immer alles nur Spaß.“ 

 

Wenn man die Rennen im Fernsehen oder auch von der Tribüne aus verfolgt, hat man den Eindruck, ihr Fahrer wüsstet immer genau, was ihr tut. Ihr seid die Besten der Welt, man ist überzeugt, besser als ihr geht nicht. Hast du trotzdem das Gefühl, dass du noch einiges zu lernen hast? 

„Ja, es gibt eine Menge zu lernen, es gibt immer Raum nach oben.“ 

 

Kommen wir nun zu deiner Bekleidung, ein interessantes Thema, vor allem, da du noch nicht lange mit Dainese zusammenarbeitest, erst seit 2024. Vielleicht sind dir in letzter Zeit Unterschiede in der Arbeitsweise der verschiedenen Unternehmen aufgefallen. Wie gefällt dir die Zusammenarbeit? 

„Dainese ist eine Marke, die ich seit meiner Kindheit bewundere und schätze. Sie ist sicherlich eine der traditionsreichsten Marken unserer Branche. Sie war schon immer die Kleidung der großen Fahrer, von Valentino bis zu meinen Idolen Troy Bayliss und Carl Fogarty. Ich habe ein Unternehmen gefunden, das großen Wert auf absolute Sicherheit legt, niemals Kompromisse eingeht und sich nie scheut, alles dafür zu tun, um sich zu verbessern. Ich teile viele dieser Werte und freue mich sehr, zur Entwicklung der neuen Bekleidung beitragen zu können.“ 

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Auf welchen Schutz oder welches Teil deiner Dainese-Ausrüstung kannst du unter keinen Umständen verzichten? 

„Vor allem in letzter Zeit haben wir in allen Bereichen ein herausragendes Niveau und Gespür erreicht. Doch was mich von Beginn an am meisten beeindruckt hat, sind die IN-Stiefel, die man unter dem Anzug trägt. Ich habe sofort eine große Verbesserung in Bezug auf Aerodynamik, Komfort und Bewegungspräzision bemerkt, da sie sehr dünn sind.“ 

 

Wie könnt ihr Fahrer den aerodynamischen Vorteil einer einzelnen Komponente wie dem Stiefel erkennen? 

„Das lässt sich eigentlich ganz einfach feststellen, man muss sich nur die Höchstgeschwindigkeiten ansehen. Ich nenne ein Beispiel: 2023 erreichten mein Teamkollege und ich auf den Ducatis des Gresini-Teams mit einer anderen Bekleidungsmarke auf der Geraden die gleiche Geschwindigkeit. Im folgenden Jahr wechselte ich zu Dainese und bemerkte sofort eine Verbesserung, obwohl ich das gleiche Motorrad fuhr. Meine Position in der Top-Speed-Rangliste verbesserte sich sofort, während die meines Teamkollegen gleich blieb.“ 

 

Was könnte Ihrer Meinung nach noch verbessert werden? 

„Der nächste Schritt wäre, maximalen Schutz mit maximalem Komfort zu verbinden. Manchmal versucht man Lösungen, die mehr Schutz bieten, verliert aber dadurch etwas an Komfort. Wir arbeiten in diese Richtung.“ 

 

Wie kannst du dich bei 300 km/h sicher fühlen? Hast du nie Angst? 

„Angst ist ein Teil von uns und immer da. Durch sie spüren wie unsere Grenzen. Es ist also eine positive, konstruktive Angst. Ich habe aber keine Angst vor negativen Ereignissen, die mir passieren könnten. Das Tragen von Kleidung und Schutzausrüstung, der man vertraut, trägt sicherlich dazu bei, diese Art von Angst zu vertreiben. Das hilft mir besonders in der Qualifikationsrunde, denn das ist die Runde, in der man alles gibt. Wenn es da etwas gibt, das einen nicht vollkommen überzeugt, ist es unmöglich wirklich 100 % zu geben. Dazu muss man sicher sein, dass einem nichts passieren kann.“ 

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Eine der Stärken der Rennschutzbekleidung von Dainese sind die Anzüge mit integriertem D-air®-Airbag, die unserer Meinung nach eine, wenn nicht sogar die größte Revolution in diesem Bereich darstellen. Was hast du gedacht, als du zum ersten Mal von einem Anzug mit Airbag gehört hast? 

„Ich war schon immer für Sicherheit. Was wir tun, ist unglaublich faszinierend, aber auch gefährlich. Hin und wieder stürzt man – und man erinnert sich an diese Gefahr. Ich habe immer alles unterstützt, was mit Sicherheit zu tun hat, und der Airbag war vielleicht die größte Revolution in Sachen Schutz für Motorradfahrer, und ich war schon mehrmals dankbar für ihn. Ich fahre ohne D-air®-Airbag nicht einmal mehr auf Pocket Bikes. 

 

Zum Abschluss unseres Gesprächs noch ein paar Fragen, die nichts mit Motorrädern zu tun haben: Welche Hobbys hast du? 

„Ich betreibe viele verschiedene Sportarten: Ich surfe, klettere, fahre Mountainbike, spiele Fußball mit Freunden, fahre Go-Kart und bin ein großer Autofan. Ich habe aber auch eine künstlerische Ader; ich interessiere mich leidenschaftlich für Musik und Design, sowohl für reale Objekte als auch für reine Grafik. Ich entwerfe meine eigenen Sachen und mein Merchandising. Ich begeistere mich für Kunst, die ganze Kreativszene zieht mich sehr an.“ 

 

Was kannst du deiner Meinung nach außer Motorradfahren noch gut? 

„Ich bin sehr selbstkritisch, deshalb glaube ich, dass ich auch mit dem Motorrad nicht so gut bin! 

 

Du machst das ziemlich gut, Fabio, das versichern wir dir! 

Was ist dein nächstes Ziel? 

„Zuerst möchte ich es bei der Weltmeisterschaft unter die ersten Drei schaffen und dann versuchen, MotoGP™-Weltmeister zu werden.“ 

Kurz gesagt, Fabios Traum ist derselbe wie vor einigen Jahren – nur, dass es mittlerweile ein konkretes Ziel ist

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