Nicol Delago ist eine italienische Skifahrerin aus dem Grödnertal in Südtirol, einem der bekanntesten Orte für alpinen Skisport auf europäischer und internationaler Ebene. Delago wuchs buchstäblich mit Skiern an den Füßen auf, auf den Pisten ihrer Heimat und in einem Umfeld, in dem Geschwindigkeit Teil der lokalen Kultur ist. Im Laufe der Jahre etablierte sie sich als eine der führenden italienischen Athletinnen im Speed, in der Abfahrt und im Super-G, den Disziplinen, die am besten zu ihrem Verständnis vom Skifahren passen. Sie erzielte 5 Podiumsplätze im Weltcup, 2 Medaillen bei den Junioren-Weltmeisterschaften und 13 Medaillen bei den italienischen Meisterschaften.
Nicol ist schon lange als Athletin für Dainese aktiv und geht den Weltcup mit einer ganz persönlichen Vision hinsichtlich ihrer Karriere an: sie achtet sehr darauf, auf ihren Körper zu hören und den mentalen Aspekt der sportlichen Vorbereitung zu berücksichtigen.
Auf dem Höhepunkt der Saison hatten wir die Gelegenheit, uns mit ihr zu unterhalten, beginnend mit ihren Anfängen und Kindheitsträumen über den Umgang mit Emotionen im Rennen bis hin zur grundlegenden Rolle der Schutzausrüstung und Sicherheit bei hohen Geschwindigkeiten.
Das Ergebnis ist ein aufrichtiges Gespräch, das nicht nur den Leistungssportler, sondern vor allem auch den Menschen zeigt: ihre Verbundenheit mit ihrer Heimat, die Bedeutung innerer Ausgeglichenheit, ihre Leidenschaft für die Natur und was es für sie bedeutet, heute auf höchstem Niveau im alpinen Skisport anzutreten.
Nicol, was war dein Traum als Kind?
„Mein Traum war es, als Skifahrerin erfolgreich zu sein. Seit meiner Kindheit faszinierte mich die Idee, schnell Ski zu fahren. Früher habe ich mir oft die Rennen hier im Grödner Tal angesehen, die Atmosphäre genossen und mir gedacht, dass ich eines Tages gerne selbst Teil davon sein würde.
Seit wann fährst du Ski?
„Seit ich ganz klein war: Mit zwei Jahren stand ich schon auf Skiern. Ich hatte schon immer die Pisten vor der Haustür, bin hier aufgewachsen und da mein Vater Trainer und Skilehrer ist, hätte es fast nicht anders kommen können.“
Erinnerst du dich noch an deine ersten Rennen?
„Es sind eigentlich eher Geschichten, die ich mit Bildern verbinde. Bei meinem ersten Rennen zum Beispiel bin ich einfach geradeaus gefahren und habe alle Tore übersprungen. Vor dem Start hatte mir mein Vater erklärt, was ich machen sollte, aber ich bin einfach losgefahren. Vielleicht hatte ich schon damals dieses Verlangen, schnell zu sein und mich frei zu fühlen: enge Tore haben mir noch nie besonders gefallen.
Zwar bin ich als Slalomfahrerin groß geworden und habe sogar die Trofeo Topolino im Slalom gewonnen, aber ich habe mich dabei immer ein bisschen eingeengt gefühlt. Die Abfahrt gibt mir dagegen ein Gefühl von absoluter Freiheit.“
Was hättest du gemacht, wenn du nicht Skifahrerin geworden wärst?
„Ich hätte gerne Medizin studiert. Der menschliche Körper und Geist faszinieren mich sehr, und dieses Interesse ist bis heute ungebrochen. Dies wäre jedoch ein sehr anspruchsvoller Weg gewesen und hätte mich weit weg von meinem Grödnertal geführt. Durch mein Studium in der Region konnte ich meinen Traum vom Skifahren weiter verfolgen. Auch als Sportler lernt man seinen Körper sehr gut kennenund nutzt dieses Wissen für seine Arbeit, etwa bei der körperlichen Vorbereitung, der Ernährung und der Regeneration.“
Wie bereitest du dich auf ein Abfahrtsrennen vor?
„Ich halte mich nicht an ein festes Protokoll, sondern habe mit der Zeit gelernt, auf meinen Körper zu hören und zu verstehen, was ich jeden Tag brauche. Manchmal brauche ich mehr Ansporn, manchmal weniger.
Was die mentale Seite angeht, vertraue ich sehr auf die Atmung: ich kann sie nutzen, um mich zu entspannen oder um mich zu aktivieren. Dann versuche ich, mich nur auf die wichtigsten Punkte der Strecke zu konzentrieren und nicht zu viel nachzudenken. Ich verlasse mich auf automatische Prozesse und versuche, nichts zu erzwingen. Meditation gehört auch zu den Methoden, die ich nutze: Für mich ist es wichtig, „mit dem Körper zu denken“ und nicht immer und ausschließlich rational zu sein.“
Was ist die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast?
„Die Bedeutung von Leidenschaft.“ Ich versuche immer daran zu erinnern, warum ich diesen Weg eingeschlagen habe und was mein Traum ist. Das, was du in dir hast, treibt dich voran. Alles, was man mit Herz und Leidenschaft tut, führt zu Erfolg. Es gibt Momente, in denen alles super läuft, und andere, in denen das nicht so ist, aber gerade in den schwierigen Zeiten macht dieses Element den Unterschied.
Dazu kommen natürlich harte Arbeit und die Bedeutung des Umfelds: der Ort, an dem man aufwächst, das Team, die Leute um einen herum. Ich finde auch, dass es wichtig ist, zu akzeptieren, dass jeder seinen eigenen Weg geht. Manche schaffen es früher, manche später, manche auf andere Weise. Wer zu sehr nach den anderen schaut, verliert seinen eigenen Weg aus den Augen.“
Was musst du deiner Meinung nach noch lernen?
„Ich möchte ausgeglichener werden. Ich erlebe viele Höhen und Tiefen: Wenn es gut läuft, bin ich sehr glücklich, wenn es schlecht läuft, sehe ich alles schwarz. Vielleicht ist es gar nicht möglich, immer ausgeglichen zu sein, aber ich muss lernen, mich selbst mehr zu akzeptieren und in schwierigen Zeiten nicht an mir zu zweifeln. Wenn ein Rennen schlecht läuft, muss ich meine Leistung analysieren, ohne mich selbst und meine Fähigkeiten in Frage zu stellen.“
Erzähl uns, wie es war, als du zum ersten Mal beim Weltcup auf dem Podium standest: Hat es sich für dich angefühlt, als wärst du am Ziel angekommen oder am Anfang von was Neuem?
„Auf jeden Fall am Anfang von was Neuem. Es ist genau hier im Grödnertal passiert, was wirklich selten ist, weil normalerweise keine Frauen auf dieser Piste fahren. Es war die Nachholrunde von einem anderen Rennen. Es war ein unglaublicher und emotional sehr bewegender Tag, weil ich ihn mit den Menschen verbracht habe, mit denen ich aufgewachsen bin: meine Familie, meine Trainer. Es war etwas Besonderes.“
Was musstest du aufgeben, um so weit zu kommen?
„Ehrlich gesagt, nichts.“ Ich habe immer das getan, was mir am meisten Spaß gemacht hat. Ich hatte nie das Bedürfnis, was anderes zu machen, und würde alles wieder genauso machen. Ich fühle mich wirklich privilegiert, dass ich die Möglichkeit dazu habe.“
Nicole, du bist jetzt schon seit ein paar Jahren bei Dainese und kennst unsere Schutzausrüstung gut, also lass uns ein bisschen darüber sprechen. Wie schützt du dich bei Super-G- und Abfahrtsrennen?
„Zu meiner Schutzausrüstung gehören ein Helm, eine Skibrille, ein D-air® Ski 2 Evo Airbag und Armprotektoren.“
Wie beurteilst du den heutigen Sicherheitsstandard der Schutzausrüstung im alpinen Skisport?
„Meiner Meinung nach ist Dainese sehr fortschrittlich und leistet hervorragende Arbeit.“ Angefangen beim Helm: der ist für mich wirklich der Beste. Nachdem ich mehrere Helme getestet hatte, wusste ich sofort, dass der Helme von Dainese das Richtige für mich war, als ich ihn zum ersten Mal aufgesetzt habe. Er passt mir perfekt und wenn ich ihn trage, fühle ich mich sicher, und das ist das Wichtigste.
Vor allem aber ist der D-air® Ski Airbag ein wichtiger Fortschritt in den Speed-Disziplinen: zu wissen, dass er den Oberkörper und auch die inneren Organe schützt, macht echt einen Unterschied. Ich habe mich daran gewöhnt, ihn zu benutzen, er ist bequem, ich fühle mich nicht eingeengt und er gibt mir einfach Sicherheit.“
Was machst du in deiner Freizeit?
„Ich bin gern in der Natur, gehe spazieren, lese und verbringe Zeit mit meinen Freundinnen. Ich mag die Ruhe. Im Sommer trainiere ich hier: mit Radfahren, Wandern, Klettern oder im Fitnessstudio. Ich habe viele Möglichkeiten und das Klima kommt mir entgegen, weil ich Hitze schlecht vertrage.
Ich bin generell recht sportlich, aber darüber hinaus bin ich auch in der Küche ziemlich gut. Ich backe gerne Kekse … und esse sie dann auch!“
Was ist dein nächstes Ziel?
„Bei den nächsten Herausforderungen mein Bestes zu geben. Das ist genau mein Ziel. Natürlich zählt am Ende das Ergebnis, aber für mich ist es wichtig zu wissen, dass ich alles gegeben habe und es nichts gibt, was ich bereuen muss.“