Wer auf der Straße ein Naked Bike oder ein Sportmotorrad fährt, möchte natürlich auch einen Helm wählen, der optisch zum Motorrad passt. Wenn der Helm jedoch täglich zum Einsatz kommt, sei es auf dem Weg zur Arbeit, bei einer längeren Anfahrt oder einem Ausflug, sollte er zwar sportlich sein, aber auch ganz bestimmte Anforderungen an Alltagstauglichkeit und Vielseitigkeit erfüllen.
Ein Sport-Touring-Helm muss daher alle wichtigen Anforderungen des täglichen Gebrauchs erfüllen: ein hohes Schutzniveau, Stabilität bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten, ein großes Sichtfeld, eine effektive Belüftung, einen bequemen Sitz auch nach mehreren Stunden und eine insgesamt hohe Alltagstauglichkeit.
Doch auf welche konkreten Merkmale sollte man achten?
Sicherheit: Nicht nur die Homologation zählt
Das erste und wichtigste Kriterium bei der Auswahl eines Helms ist natürlich seine Fähigkeit, den Kopf zu schützen. Die Zulassung ist die wichtigste Voraussetzung: Bei einem Helm, der für den Einsatz auf der Straße bestimmt ist, ist es daher wichtig zu überprüfen, ob er den Sicherheitsstandards der geltenden Gesetzgebung entspricht, in Europa ECE 22.06, die wir im entsprechenden Artikel ausführlich erläutert haben.
Die Homologation ist aber nur der Anfang. Für die Schutzwirkung eines Helms sind zahlreiche konstruktive Entscheidungen ausschlaggebend, darunter das Material und die Bauweise der Helmschale sowie die Gestaltung des geschäumten Polystyrols, der Innenschicht, die dazu dient, die beim Aufprall entstehende Energie zu absorbieren.
Beispielsweise ermöglicht die Verwendung eines geschäumten Polystyrols mit mehreren Dichten die Gestaltung der inneren Struktur unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Schutzbedürfnisse in den verschiedenen Bereichen des Kopfes. Sogar die Form der Unterseite der Schale kann so gestaltet sein, dass die Folgen eines Aufpralls in einem empfindlichen Bereich wie dem Schlüsselbein begrenzt werden. Dies ist das Prinzip, das dem Schlüsselbein-Schutzprofil von AGV zugrunde liegt.
Mehrere Helmschalengrößen für eine kompaktere Passform
Die Konstruktion der Helmschale beeinflusst jedoch nicht nur die Sicherheit. Sie wirkt sich auch auf das Gesamtgewicht und die Größe des Helms aus.
Konkret empfiehlt es sich, Helme mit mehreren Helmschalengrößen zu wählen, damit die Außenhülle optimal an die tatsächliche Kopfgröße des Motorradfahrers angepasst werden kann.
Ein Helm, der hingegen nur mit einer einzigen Helmschalengröße gefertigt wird, muss sich an sehr unterschiedliche Kopfgrößen anpassen. Bei kleineren Größen fällt die Außenschale dadurch größer aus als nötig, was zu mehr Volumen und einem höheren Gewicht führt.
Eine effiziente Aerodynamik ist auch auf der Straße von Vorteil
Wenn von Sport-Helmen die Rede ist, wird Aerodynamik oft mit sehr hohen Geschwindigkeiten und Rennstreckenfahren in Verbindung gebracht. Aber selbst bei mittleren Geschwindigkeiten auf der Straße wird der Helm ständig vom Fahrtwind getroffen. Eine sorgfältig entwickelte Helmform ermöglicht es, diesen Luftstrom gezielt zu lenken und den Kopf stabil zu halten. So werden Bewegungen reduziert, die beispielsweise bei längeren Autobahnfahrten zu einer Ermüdung der Nackenmuskulatur führen können. Darüber hinaus trägt die aerodynamische Optimierung eines sportlichen Straßenhelms dazu bei, Windgeräusche und Turbulenzen zu reduzieren und den Helm leiser zu machen.
Ein weites Sichtfeld ist auf der Straße unerlässlich
Im Straßenverkehr ist es besonders wichtig, das Geschehen rund um sich herum klar zu erkennen. Schließlich gilt es, Fahrzeuge, Kreuzungen, Hindernisse und Bewegungen im Blick zu behalten, die auch am Rand des Sichtfelds auftreten können.
Daher sollte man bei der Wahl eines sportlichen Integralhelms für den Straßenverkehr besonders auf die Sichtverhältnisse achten, die das Visier bietet. Ein großes Sichtfeld ermöglicht eine umfassendere Wahrnehmung der Umgebung und erleichtert es, den Verkehr im Blick zu behalten, ohne ständig den Kopf bewegen zu müssen. Dies ist ein Aspekt, für den AGV die Ultravision-Technologie entwickelt hat, die das horizontale Sichtfeld auf bis zu 190° erweitert.
Ein weiteres Problem ist das Beschlagen des Visiers, insbesondere bei sinkenden Außentemperaturen oder hoher Luftfeuchtigkeit. Eine Pinlockscheibe, die an der Innenseite des Visiers angebracht ist, trägt dazu bei, die Sicht bei beschlaganfälligen Bedingungen aufrechtzuerhalten, während das Mikroöffnungssystem, das das Visier leicht geöffnet, aber verriegelt hält, einen erhöhten Luftaustausch ermöglicht.
Die integrierter Sonnenblende ist auch für diejenigen nützlich, die den Helm täglich benutzen, da es eine schnelle Anpassung an wechselnde Lichtverhältnisse ermöglicht, ohne dass das Visier gewechselt oder eine Sonnenbrille getragen werden muss.
Die Belüftung muss bei allen Geschwindigkeiten effektiv funktionieren
Ein sportlicher Straßenhelm muss mit ganz unterschiedlichen Bedingungen zurechtkommen: Im Stadtverkehr ist die Geschwindigkeit niedrig und der verfügbare Luftstrom begrenzt, während bei Autobahnfahrten deutlich mehr Luft auf den Helm trifft.
Aus diesem Grund genügen einfache Lüftungsschlitze nicht. Das Belüftungssystem muss so konstruiert sein, dass es den Luftstrom gezielt durch den Helm leitet, frische Luft zuführt und warme, feuchte Luft abführt. Gleichzeitig müssen sich die Öffnungen bei niedrigen Temperaturen schließen lassen. Die Strömungsführung lässt sich auch mithilfe von CFD-Simulationen (numerische Strömungsmechanik) optimieren. Damit kann das Verhalten des Fluids, in diesem Fall der Luft, am Computer untersucht und die Belüftung gezielt verbessert werden.
Die Passform muss über Stunden hinweg bequem bleiben
Ein sportlicher Integralhelm für die Straße muss vor allem bei Touren, die einen oder mehrere Tage dauern, eine angenehme Passform bieten. Daher ist es wichtig, den Helm vor dem Kauf anzuprobieren und ihn möglichst einige Minuten auf dem Kopf zu behalten, um zu prüfen, ob Druckstellen vorhanden sind, die sich auf Dauer als unangenehm erweisen könnten.
Auch die Materialien spielen eine wichtige Rolle. Bei den AGV-Innenausstattungen kommen beispielsweise Shalimar- und Ritmo-Gewebe je nach den unterschiedlichen Anforderungen der Kontaktflächen zum Einsatz, während die DrySpeed-Technologie für die schnelle Absorption von Schweiß sorgt.
Die Möglichkeit, das Innenfutter herauszunehmen und zu waschen, ist besonders wichtig für einen Helm, der häufig verwendet wird. Schweiß, Staub und Feuchtigkeit sammeln sich während des Gebrauchs unweigerlich an: Die Möglichkeit, die Polsterung einfach zu reinigen, ermöglicht es Ihnen, über einen längeren Zeitraum angemessene Hygiene- und Komfortbedingungen aufrechtzuerhalten.
Die Praktikabilität eines Sporthelms für den Straßeneinsatz
Oftmals erkennt man jedoch an den weniger sichtbaren Details, wie sehr ein Helm für den alltäglichen Gebrauch konzipiert wurde.
Die Möglichkeit zur Integration einer Gegensprechanlage , das Vorhandensein eines Antibeschlagsystems, einer Sonnenblende, eines herausnehmbaren und waschbaren Innenfutters sowie die Eignung für Brillenträger sind allesamt Merkmale, die einen Helm im engeren Sinne nicht „sportlicher“ machen, aber seine Vielseitigkeit deutlich erhöhen.
Sportlichkeit und Vielseitigkeit müssen kein Widerspruch sein
Bei der Wahl eines Sport-Helms für den Straßeneinsatz kommt es also nicht allein auf eine aggressive Formgebung oder eine Ausstattung für hohe Geschwindigkeiten an. Der eigentliche Unterschied liegt in der Balance zwischen den Eigenschaften, die zusammenwirken müssen: Schutz, Aerodynamik, Sichtbarkeit, Belüftung und Komfort .
Erst dieses Zusammenspiel macht einen Sport-Helm wirklich straßentauglich, nicht allein seine Optik. Denn gefragt ist kein Produkt, das ausschließlich für Extremsituationen konzipiert wurde, sondern ein Helm, der den Motorradfahrer bei jeder Fahrt zuverlässig begleitet.